Bund gibt Urlaub für Väter noch eine Chance

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Neues Modell kommt anBund gibt Urlaub für Väter noch eine Chance

Trotz Vorbehalten will der Bundesrat einen durch die Eltern mitfinanzierten Vaterschaftsurlaub prüfen. Erstmals signalisiert auch der Arbeitgeberverband seine Unterstützung.

Jessica Pfister
von
Jessica Pfister
Mehr Zeit für die Kleinsten: Der Bund will verschiedene Modelle für den Vaterschaftsurlaub prüfen.

Mehr Zeit für die Kleinsten: Der Bund will verschiedene Modelle für den Vaterschaftsurlaub prüfen.

Der Druck von Väter-Organisationen und Politikern aller Couleur scheint gewirkt zu haben. Nachdem sie sich Anfang Juni gleich mit zwei Vorstössen für ihre Idee eines privat finanzierten Vaterschaftsurlaubs beim Bund stark machten, will dieser erstmals über die Bücher gehen.

In seiner Antwort auf das Postulat von SP-Ständerätin Anita Fetz, welches analog zur Altersvorsorge ein steuerbefreites Sparmodell für angehende Väter vorschlägt, schreibt der Bundesrat: «Trotz grundsätzlichen Vorbehalten ist der Bundesrat bereit, das vorgeschlagene Modell einer vertieften Analyse zu unterziehen, da es gewisse neue und interessante Ansätze erhält (siehe Box).» Er werde eine Auslegeordnung der verschiedenen Modelle vornehmen, diese miteinander vergleichen und in einem Bericht deren Vor- und Nachteile aufzeigen.

«Nichts dagegen einzuwenden»

Selbst der Arbeitgeberverband (AGV), der sich bisher genauso vehement wie der Bund gegen die Einführung eines Vaterschaftsurlaubs gewehrt hat, kündigt seine Unterstützung an. «Gegen das Modell ist nichts einzuwenden», sagt Ruth Derrer, Mitglied der AGV-Geschäftsleitung auf Anfrage von 20 Minuten Online. Denn im Gegensatz zu früheren Modellen, die immer von einer Rundumfinanzierung durch den Staat ausgingen, gehe es hier um eine Beteiligung der Väter beziehungsweise Eltern, indem sie einen Prozentsatz ihres Lohns für den Babyurlaub abgeben.

«Wichtig ist für uns, dass die Bedingungen für den Bezug eines Vaterschaftsurlaubs oder der Elternzeit nicht im Gesetz verankert werden», sagt Derrer. Für viele KMU sei es heute schon schwierig, die verschiedenen Abwesenheiten wie Ferien oder Militär organisatorisch zu bewältigen. «Es sollte deshalb den Betrieben überlassen werden, wie sie mit den Anträgen auf Vaterschaftsurlaub und Elternzeit umgehen.» Dies hat der AGV auch in der Stellungnahme zum Postulat Fetz geschrieben, die vor rund zwei Wochen an alle bürgerlichen Parlamentarier verschickt wurde. Für die Vertreterin der Arbeitgeber ist klar: «Die Bereitschaft unter den Arbeitgebern ist gestiegen, gerade auch Vätern ein verstärktes Engagement in der Kinderbetreuung zu ermöglichen.»

«Wichtiges Signal»

Postulantin Fetz wertet diesen Schritt als positives Zeichen. «Bund und Arbeitgeber haben erkannt, dass sie nicht länger zuschauen, sondern handeln müssen», sagt Fetz gegenüber 20 Minuten Online. Sie ist überzeugt, dass auch der Ständerat, der das Postulat am kommenden Mittwoch beraten wird, grünes Licht für die Analyse gibt. Zufrieden ist auch Markus Theunert, Präsident des Dachverbandes Schweizer Männer- und Väterorganisationen: «Es ist ein wichtiges Signal, dass nun endlich Bewegung in die Diskussion kommt.» Zur Zeit sei die Schweiz im Vergleich zu Europa, was Vaterschaftsurlaub und Elternzeit angehe, noch ein Entwicklungsland (siehe Bildstrecke).

Vorbehalte hat hingegen EVP-Nationalrätin Marianne Streiff-Keller: «Das Modell ist sozial ungerecht. Nur besser verdienende Eltern können es sich leisten, für kommende Kinder etwas auf die Seite zu legen.» Bei einer Elternzeit bestehe zudem die Gefahr, dass die Frauen benachteiligt würden. Sie hält deshalb an ihrem Vorstoss fest, der zwei Wochen Vaterschaftsurlaub fordert und analog zum Mutterschaftsurlaub über die Erwerbsersatzordnung finanziert werden soll. «Damit könnte man alle Eltern gleich behandeln.»

Das neue Modell

Angestellte und Selbständigerwerbende, die sich eine Familie wünschen, können mit einem frei wählbaren Prozentsatz des Lohnes oder mit jährlichen Zahlungen steuerbefreit ein Elternzeitguthaben aufbauen. Kommt das Kind auf die Welt, können sie dieses Geld für die Finanzierung einer Arbeitszeitreduktion einsetzen. Entweder wird das Sparmodell wie eine Säule 3a privat durch Versicherungen angeboten oder von der betriebseigenen Pensionskasse. Bei der ersten Variante regelt das Gesetz die Bedingungen für den Bezug, bei der zweiten Variante definiert der Betrieb die Rahmenbedingungen wie maximale Urlaubsdauer oder weiterlaufende Versicherungen.

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